Ein Tag in der Tagespflege!

 

Sie können sich jetzt immer noch nicht richtig vorstellen, was in einer Tagespflege so passiert? Dann stellen wir Ihnen an dieser Stelle gerne Frau Maier vor:

Frau Maier, 70 Jahre alt, lebt seit einem Jahr bei ihrem Sohn und dessen Familie in Harzgerode. Zuvor hat sie über 30 Jahre in Quedlinburg gewohnt. Ihr Ehemann ist vor nunmehr 10 Jahren verstorben. Unter diesem Verlust leidet sie heute noch sehr. Vor einem Jahr musste sie wegen eines Oberschenkelhalsbruches stationär behandelt werden. Im Krankenhaus wurden Orientierungsschwierigkeiten sowie Defizite im Kurzzeitgedächtnis bemerkt. Aufgrund ihrer Gangunsicherheit infolge des Sturzes und eines insulinpflichtigen Diabetes zog Frau Maier nach dem Krankenhausaufenthalt zu ihrem Sohn, da eine eigenständige Lebensführung nicht mehr möglich schien. Die neue Wohnsituation gestaltete sich für alle Beteiligten ungewohnt und schwierig. Frau Maier, die die letzten 10 Jahre allein gelebt hatte, fühlte sich bevormundet, reagierte auf das Bemühen der Familie häufig mit Ablehnung und Gereiztheit. Insbesondere das Messen des Blutzuckers und die notwendige Insulinspritze sowie die Körperpflege wurden von ihr oftmals nicht zugelassen.

Über einen Kurzzeitpflegeaufenthalt, in unserer Einrichtung, während des Urlaubs der Angehörigen lernte Frau Maier die Tagespflegeeinrichtung kennen. Diese besucht sie nun seit einem halben Jahr an fünf Tagen in der Woche. Die Blutzuckermessungen und die Insulingaben erfolgen größtenteils dort, dadurch wurde die Situation Zuhause bereits deutlich entspannt. In den Gesprächen mit der Familie erfuhren wir Mitarbeiter, dass Frau Maier immer eine sehr eigenständige Persönlichkeit gewesen ist. Sie war für die Organisation des Haushaltes und die Kindererziehung zuständig, pflegte die Beziehungen zu Verwandten und Nachbarn. Ihr Sohn beschreibt sie als umsorgende und liebevolle Mutter.

In der Tagespflege hält sich Frau Maier überwiegend in der Küche auf. Sie schält Kartoffeln, putzt Gemüse und überlegt mit den anderen Damen, was man denn nächste Woche so kochen könne und was dafür eingekauft werden muss. Bei all diesen Tätigkeiten hält man mit den anderen „Hausfrauen“ natürlich gern mal ein Schwätzchen und redet über „Gott und die Welt.“ Bei Tisch kümmert sie sich fürsorglich um eine andere Besucherin. Sie ist immer mitten im Geschehen und liebt es, nach getaner „Arbeit“ mit den anderen auch mal raus zu fahren, zum Spaziergang, ins Café oder auf den Wochenmarkt. Und dass man vor solchen Ausflügen natürlich duscht und sich in „Schale schmeißt“, ist ja selbstverständlich.

Da Frau Maier den ganzen Tag über aktiv ist, fährt sie nachmittags zufrieden und oft auch müde nach Hause und kann es jetzt auch schon mal genießen, dass man sich abends um sie kümmert.